Trinken erwünscht! Innovatives Nüchternheitskonzept stärkt Sicherheit und Wohlbefinden

01. Juni 2026

Chefarzt Dr. med. Marc Winetzhammer (Zentrum für Anästhesie, OP und Schmerztherapie) erklärt das Thema „Trinken erwünscht – bis kurz vor der OP“.

Am ELISABETHENSTIFT gibt es ein neues Konzept, bei dem mit kürzerer Nüchternheitszeit vor der OP gearbeitet wird. Was ist das genau?

Dr. Winetzhammer: „Im ELISABETHENSTIFT dürfen Patient:innen in der Regel bis kurz vor Ihrer Operation noch klare Flüssigkeiten zu sich nehmen. Das trägt zur Sicherheit bei und zu weniger Komplikationen. Mit dem innovativen Nüchternheitskonzept gelingt es Kliniken Sicherheit und Wohlbefinden von Patient:innen zu stärken. Viele Stunden vor einer Operation nichts zu essen und trinken galt jahrzehntelang als unverzichtbar. Das wird heute zunehmend kritisch hinterfragt, da ein langer Verzicht auf Flüssigkeit nachweislich das Risiko für Komplikationen nach einer Operation erhöhen kann. Für die meisten Patient:innen ist es von Vorteil klare Flüssigkeit zu sich zu nehmen, bis sie von der Station in den OP gebracht werden.“

Wie ist der Ablauf vor der OP?

Dr. Winetzhammer: „Im Rahmen des Narkoseaufklärungsgesprächs erhalten unsere Patient:innen eine Nüchternheitskarte. Wer keine wesentlichen Vorerkrankungen oder operative Besonderheiten aufweist, bekommt eine grüne Karte und darf bis kurz vor der Operation klare Flüssigkeiten trinken: Wasser, Tee, klare Säfte oder Kaffee mit einem Schuss Milch sind erlaubt. Für Patient:innen mit bestimmten Einschränkungen gibt es die gelbe Karte mit individuell festgelegten Zeiten. Nur wenige Patient:innen erhalten eine rote Karte, bei der nichts mehr aufgenommen werden darf.

Hinter der Idee steckt ein einfaches Ziel: mehr Sicherheit und weniger Komplikationen. Denn wer ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, geht körperlich stabiler in die Narkose. Das Risiko, insbesondere bei älteren Menschen, für Kreislaufprobleme, Stürze oder Verwirrtheitszustände nach der Operation sinkt deutlich. Auch die Erholung verläuft oft schneller. 

Darüber hinaus vermindert die Zufuhr klarer Flüssigkeiten bis kurz vor der Operation Durst-, Hunger- und Unwohlsein, reduziert Stress und stabilisiert den Blutdruck. Die Anlage venöser Zugänge wird erleichtert und das Risiko von Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen nach der Operation wird gesenkt.“